Heiter, 12 Grad

Rettenberg – ein Blick zurück

Zwischen Grünten und Rottachberg schuf die Eiszeit ein Hochtal, in dem Rettenberg (806m) eingebettet liegt.

Rötinberg, nach dem roten Berg, der Farbe des Nagelfluhgesteins, am Rottachberg heute noch gut sichtbar, wurde die Siedlung im 11. Jahrhundert genannt. Die Namensänderung in Stephansrettenberg, nach dem Kirchenpatron, begann im Mittelalter, bevor 1905 in allen
Dokumenten nur noch von Rettenberg zu lesen war.

Das Rittergeschlecht der Edlen von Rettenberg ist urkundlich erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Ihre Burg, um 1100 errichtet, stand oberhalb von Vorderburg. 1350 erlosch das Geschlecht im Mannesstamm. Die beiden Erbtöchter Adelheid und Elsbeth teilten sich das Erbe, ihre Männer aber drangen auf einen schnellen Verkauf. Neuer Grundherr wurde das Hochstift Augsburg.

Am 12. September 1562 brannte die Burg nieder - wohl fing das Fett der Burgköchin beim Küchlebacken Feuer und konnte nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Ihre Ruine ist heute ein schönes Wanderziel mit prächtigem Ausblick.

1803 bedeutete die Säkularisation das Ende des Hochstiftes Augsburg. Es kam samt seiner Besitzungen an Bayern.

Zu den bekanntesten Künstlern der Gemeinde zählt in erster Linie die Malerfamilie Weiß. Sie schmückte in vier Generationen in der ausgehenden Barockzeit und danach Kirchen, Kapellen und Privathäuser über das Allgäu hinaus bis ins Salzkammergut und die Nordschweiz. Das Buch „Allgäuer Kunst in zwei Jahrhunderten“ beschreibt ausführlich das Leben und Wirken der Künstlerfamilie Weiß, erhältlich in der Gästeinformation Rettenberg. Auch der spätere Akademieprofessor Andreas Müller aus Altach wurde als Maler berühmt.

Erst die Umstellung vom kargen Korn- und Flachsanbau zur Grünland – und damit Milchwirtschaft bescherte den Feldern und Fluren ihr heutiges Aussehen und der Bevölkerung einen gesicherten Broterwerb.

Bis heute ist die Landwirtschaft neben zahlreichen mittelständischen Unternehmen fester Bestandteil des Dorflebens, bildet die erlebbare Basis für Ferien in der Allgäuer Kulturlandschaft.

1878 fing der Tourismus mit dem eher zufälligen Besuch eines Herrn Johann Meyer aus Nürnberg an. Erster prominenter Bergsteiger soll Kaiser Maximilian gewesen sein. Gesichert ist das Erreichen des Gipfels durch den Fürstbischof Clemens Wenzeslaus 1773, allerdings hatte der sich auf einem gepolsterten Tragesessel von Rettenberger Bauern hinauf tragen lassen...